OSTSEE-ZEITUNG: Zwillinge mit Einser-Studium: „Wir bleiben hier“
Stefan und Sebastian Görtz (22) verlassen Hochschule in Schwerin mit Top-Abschlüssen und möchten beruflich in Mecklenburg-Vorpommern durchstarten.

Sie haben ihr Studium mit Spitzen-Noten abgeschlossen, jetzt wollen Stefan und Sebastian Görtz beruflich durchstarten – am liebsten in ihrer Heimat Mecklenburg-Vorpommern. Dafür würden die Zwillinge sogar auf Geld verzichten. „Wenn wir eine gute Chance bekommen, uns zu etablieren“, sagen sie.
Als Jahrgangsbeste und mit Abstand den besten Noten – 1,1 und 1,3 – haben Stefan und Sebastian Görtz ihr duales Studium am Baltic College in Schwerin beendet. Die private Hochschule haben sich die Brüder ausgesucht, „weil dort der Fokus auf der praktischen Ausbildung liegt“, erklären die 22-Jährigen. Beide haben einen Bachelor- und einen IHK-Berufsabschluss. Soweit die Gemeinsamkeiten. Bei der Jobsuche schlagen die Zwillinge aber verschiedene Richtungen ein – Sebastian als studierter Hotel- und Tourismusmanager, Stefan als Marketing- und Unternehmensmanager.
Die jungen Männer hoffen, in ihrer Heimat einen Job zu finden und sich nicht in den Abwanderungstrend junger Leute einreihen zu müssen. „Wir sind in der Region verwurzelt, mögen die Bodenständigkeit und Mentalität“, erklärt Stefan Görtz.
Aufgewachsen sind die eineiigen Zwillinge in der Nähe von Schwerin. Mit fünfeinhalb Jahren werden sie die jüngsten ABCSchützen der Grundschule Pampow. „Wir haben immer gern gelernt“, erzählen sie. Um einen guten Abschluss zu bekommen, helfen sich die Brüder später gegenseitig durch das Abitur. „Damals war Sebastian etwas besser, jetzt ist es andersherum“, freut sich Stefan Görtz. Er engagiert sich für ein Obdachlosen-Projekt in Güstrow und schreibt seit einem Jahr an einem Buch. „Es handelt von meiner Generation und ihrem Konsumverhalten“, erklärt er. Jetzt, wo das Studium beendet ist, wäre wieder mehr Zeit, um an seinem Erstlingswerk zu arbeiten. Bruder Sebastian will das nicht lesen. „Aber damit kann ich gut leben“, betont Stefan Görtz. Immerhin gebe es viele gemeinsame Hobbies, zum Beispiel Fußball und Reisen. Außerdem betreuen die Zwillinge ein AIDS-Projekt in Südafrika. Das Land haben sie 2007 während eines vierwöchigen Schüleraustausches kennen- und liebengelernt. „Unsere Gastmutter hat uns auch die Armenviertel gezeigt, und dann wollten wir einfach nur helfen“, erzählen sie.
Wohin ihre berufliche Reise gehen wird, steht noch nicht fest. Auf jeden Fall werde es nicht leicht, einen Job im Management zu finden – trotz der Top-Noten, die sie an den Hochschul-Außenstandorten Güstrow und Potsdam erzielt haben. „Wir sind eben Berufsanfänger“, zeigen sie sich realistisch. Viele Unternehmen würden junge Leute nicht im Management einstellen, „weil sie ihnen die große Verantwortung einfach noch nicht zutrauen.“ Trotzdem hoffen die Brüder auf eine Chance in Mecklenburg-Vorpommern, „damit wir in unserer Heimat bleiben und ihre Zukunft mitgestalten können“.
Kerstin Schröder
(Ostsee-Zeitung)

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